Über das 12. Jahrhundert

Was gab es im 12. Jahrhundert schon, was aß man, wie kleidete man sich, und wie war das Leben?

 

Das Essen war einfach und karg. Fleisch hatte nur, wer reich genug war, oder adelig, um Jagdgründe unterhalten zu dürfen. Ein schlachtreifes 2-jähriges Rind hatte ca. 100 kg – heute ca. 300 kg, und ein 1-1,5 jähriges Schwein hatte 38 kg – heute ca. 100 kg (also soviel, wie damals ein Rind). Die einfachen Leute aßen viel Brot aus Roggen (ca. 1 kg pro Tag je Person) und Getreidebrei aus Dinkel, Gerste, Einkorn und dergleichen. Es gab je nach Region einiges an Obst und Gemüse, das zumeist nur zerkocht mit Gewürzen und Essig verspeist wurde, natürlich nur in der jeweiligen Saison.

Ab dem 9. Jahrhundert sind Früchte wie Quitte, Apfel und Birne bekannt, in den südlichen Regionen auch schon Kirschen, Pfirsich und Pflaumen. Es gab einiges an Beerenobst, z.B. Blaubeeren, Himbeeren, Brombeeren und auch Nüsse, wie Walnuss und Haselnuss waren bekannt. Man aß aber auch Bucheckern und andere Baumfrüchte. Gemüse wurde lediglich als Gemüsebrei verzehrt, Bestandteile waren Kohl, Sellerie, Zwiebeln, Erbsen, Pastinak, Spinat, Lauch und auch Wildgemüse, wie Brennnessel, Sauerampfer, Löwenzahn und vieles mehr. An einheimischen Gewürzen kannte man Koriander, Kerbel, Dill, Pfefferkraut, Bohnenkraut, Rosmarin und vieles mehr. Da in den alten Zeiten das Wasser nicht immer trinkbar war, wurde auch von Kindern viel verdünnter Wein und verdünntes Bier, sowie Milch, Met, Glühwein und Obstweine getrunken. Dem Bier und Wein wurden viele Gewürze und Früchte beigemischt, wie z.B. Oregano, Salbei, Lavendel, Wacholder, Kirschen, Schlehen uvm.

 

Bei der Kleidung scheiden sich die Geister, oder besser die Gelehrten. Auf den erhaltenen Abbildungen dieser Zeit sind zumeist nur höher gestellte Menschen abgebildet. Das wiederum macht es für die Darstellung des einfachen Volkes schwer zu entscheiden, was man tragen soll. Leinen, Hanf und Wollkleidung war am ehesten zu beschaffen. Im Sommer barfuss und im Winter mit Holzpantinen, nur wer Taler hatte, konnte aus Leder geknöpfte oder geschnürte Halbstiefel tragen. Die Männer trugen lange erdfarbene Hosen und hemdartige Leibröcke und die Frauen erdfarbene hemdartige Kleider. Das Leben war hart und oft auch ungerecht. Leibeigene mussten schuften und hatten wenig zum Leben. Der Barbier (heute der Frisör) hat den Bart gestutzt und auch die Zähne gezogen. Die Ärzte haben viel zur Ader gelassen und wenig geholfen. In den Behausungen war es zugig und die Menschen starben an den einfachsten Krankheiten, wie einem vereiterten Zahn oder im Kindbettfieber.

Es war aber nicht alles schlecht! Die ersten Universitäten wurden gegründet und Langeweile kam nie auf. Das Leben war langsamer und stiller, der Tag war ausgefüllt und bei Dunkelheit hatte man keine Probleme einzuschlafen. Ehen wurden von anderen geschlossen und eine Trennung vor dem Tod war fast undenkbar. Was jedoch nicht heißt, das alle unglücklich waren. Jeder hat das Beste aus seinem Leben gemacht!

Quelle: „Der Alltag im Mittelalter - ISBN 3-8334-4354-5“.